Bevor verschiedene naturtherapeutische Settings vorgestellt werden ist wichtig zu wissen, dass du auf alle angebotenen Naturerfahrungen vorbereitet wirst. In der Vorbereitung wird gemeinsam geklärt, welche Art von Naturerfahrung als hilfreich angesehen wird, in welchem Rahmen und in welcher Intensität sie erfolgen soll. Beim Setting „Walk-and-Talk“ ist eine kurzfristige Klärung möglich, bei einer „fokussierten Naturerfahrung“ wird mehr Vorbereitungszeit benötigt.
Freiraum
In diesem Setting finden die Sitzungen im Freien statt. Dies kann ein Garten, Park oder auch ein Wald in der Nähe sein. Zumeist wird der Ort gemeinsam ausgesucht, manchmal aber auch als kleine Überraschung vorgegeben. Auch wenn diese räumliche Veränderung unscheinbar erscheint, birgt sie viel Potential für Perspektivwechsel, Anregungen und neue Blickwinkel.
Walk-and-Talk
Der gemeinsame Naturspaziergang bringt Bewegung und damit aktives Tun in die Begegnung und bindet das körperliche Erleben deutlich mit ein. Wir kommen wortwörtlich in die Gänge - körperlich, geistig als auch seelisch. Die Bewegung stimmuliert und die Naturwahrnehmung erweitert den Blick. Nach Bedarf wird das Tempo angepasst, zeitweise auch innegehalten oder schweigend ein Stück Weg zurückgelegt.
Die freie Naturerfahrung
In diesem Setting geht der Klient für sich für eine bestimmte Zeit in die Natur. In der vorherigen Sitzung wird das Setting geklärt und organisatorisches besprochen. Die Herausforderung liegt darin, dass das Ziel ist, kein Ziel zu haben! Es geht darum sich treiben zu lassen, umher zu streifen, offen zu sein, für das was einem begegnet, dies auf sich wirken zu lassen und damit umzugehen. In dem nachfolgenden Gespräch wird das Erlebte erzählt und in seiner Wirkung und möglichen Bedeutung beleuchtet. Was leicht und lässig klingt, ist oft herausfordernd, denn einfach-zu-Sein, ist die Königsdisziplin des Seins.
Die fokussierte Naturerfahrung
Im Gegensatz zur freien Naturerfahrung geht die Klientin fokussiert auf eine Intention für eine bestimmte Zeit in die Natur. Die Intention wird im Vorfeld besprochen. Sie kann auf ein bereits offenes Thema eingehen oder eine vom Therapeut/ Berater angebotene Aufgabe sein. Sie beinhaltet beispielhaft, wie ein Kind die Natur zu entdecken. Oder sich einen Ort zu suchen, ihn zu gestalten, um dann dort eine bestimmte Zeit in Stille zu verbringen. Die gezielte Naturerfahrung öffnet den Raum für forschendes Erleben und ein sich Ausprobieren zu einer klar benannten Thematik/ Situation und ist somit ein Übungsfeld.
Die Kreisarbeit
Der Kreis ist eins der ältesten Menschheitssymbole. Mit seiner Geschlossenheit, den vier Kardinalpunkten und der zentralen Mitte steht er für die Ganzheit des Selbst und das Eingebundensein ins Leben. An einem ausgesuchten Platz wird der Kreis vom Klienten in einer bestimmter Weise mit Naturmaterialien gelegt. Die Kreisarbeit hilft bei der Klärung von Fragen, als auch der Erforschung eines Themas. Durch die Bewegung zu den Kardinalpunkten und dem Dialog mit deren verschiedenen Aspekten (Lebensphasen, Jahreszeiten, Himmelsrichtungen, Seinqualitäten) kann Gestautes wieder in Fluss und Getrenntes zusammengeführt werden. Der Aufenthalt im Zentrum des Kreises verbindet mit dem Ursprünglichen und zentriert das Selbsterleben. „Die Kreisarbeit hilft uns dabei, die Vollständigkeit des Erlebens wieder herzustellen, vergessene und neu auftauchende Selbstaspekte zu integrieren und Erfahrung und Selbstkonzept wieder in Übereinstimmung (Kongruenz) zu bringen.“ (Sachon, Wernher, 21.07.2025: https://exist-schule.de/kurzbeschreibung-naturtherapie/)
Darüber hinaus gibt es Rituale des Übergangs, wie die 11-tägige Vision-Quest und Rituale der Heilung, wie das Schwitzhüttenritual. Diese werden hier nicht angeboten.